Was für dramatische Tage im oberbayerischen Landkreis Weilheim-Schongau. Eigentlich wäre ja an dieser Stelle der Wallach Jewel Sautreuil derjenige, der interviewt werden müsste. Doch da Pferde nun mal nicht sprechen können, hat Melanie Bäumel-Schachtner von Wettstar mit Jewels Besitzer Ferdinand Veit geredet. Nach einem Trainingsunfall war das Pferd vier Tage lang verschollen. Keiner wusste: Wo steckt der Fünfjährige, lebt er noch, wie kann man ihn finden? Ein Großaufgebot an Suchtrupps war unterwegs, inklusive zahlreicher Drohnen, um den in Frankreich gezogenen Wallach aufzuspüren. Und es ist tatsächlich gelungen. Am Samstag kam die erlösende Meldung: Das Pferd lebt. Wie es ihm jetzt geht und wie er die ganze Sache erlebt hat, hat uns Ferdinand „Ferdi“ Veit im Rennbahn-Talk erzählt.
Ich war selbst nicht einmal da. Meine Tochter Johanna hat Jewel gefahren, da hat er ausgeschlagen, über die Ansen des Sulkys drüber, und ist in den Wald gelaufen. Vier Tage war er unterwegs – Wahnsinn!
Es war ein Alptraum, aber auch eine Welle der Solidarität. Es haben so viele Leute geholfen, sogar Drohnenflieger – das war allererste Geige. Dass es so etwas heutzutage noch gibt, hätte ich nie gedacht. Diese Hilfsbereitschaft war einfach toll. Die Helfer, die gesucht haben, sind immer mehr geworden. Auch ein Freund kam mit seinem Traktor, um das Pferd vielleicht herauszuziehen, wenn es irgendwo festgesteckt wäre. Ich kann gar nicht anders als mich bei all den Menschen zu bedanken. Das vergesse ich ihnen nie. Wir, vor allem Johanna, haben natürlich Tag und Nacht mitgesucht. Es gab 30 Zentimeter Neuschnee und in der Nacht herrschte Schneetreiben. All das hat die Helfer nicht abgehalten. Ich bin immer noch ganz überwältigt.
Der tut einem ja so leid! Er hatte noch nicht einmal eine Decke drauf. Der Tierarzt hat mir aber gesagt: ‚Ferdinand, das tut ihm nichts‘. Und er hatte völlig recht. Er hatte gar keine Verletzungen, nur hinten ein paar Haare weg. Der hatte nichts – null! So ein wahnsinniges Glück.
Nein, keine Chance. Deshalb bin ich auch den Drohnenfliegern so unglaublich dankbar. Am vierten Tag wurde ich angerufen: „Ferdinand, wir haben ihn gefunden‘. Er stand im Gestrüpp und hatte sich da verfangen. Er hat sich nicht mehr befreien können. Letztlich war er nur 200 Meter von der Trainingsstrecke entfernt, die Johanna immer nutzt. Die Helfer haben auch seine Spuren verfolgt, zum Beispiel auf einer Wiese, aber es war trotzdem alles so schwierig. Die Helfer haben den großen Wald in viele verschiedene Punkte unterteilt und die alle der Reihe nach abgesucht. Ich hatte total Angst, dass er Richtung Weilheim läuft. Wir haben an jeder Stelle gesucht und in jedem Bauernhof. Ich hatte ja gedacht, er würde in einen Hof laufen. So war es dann aber nicht, er hatte sich ganz einfach im Gestrüpp verfangen.
Auf jeden Fall. In 60 Jahren sind mir nur drei Pferde ausgekommen. Die anderen zwei sind heimgelaufen. Aber bei ihm ging das nicht.
Wir waren mehrere. Ich bin mit dem Sprinter hingefahren. Er ließ sich gut befreien, ich glaube, er war froh, dass wir ihn gefunden haben. Ich habe auch gleich den Tierarzt angerufen. Der hat ihn angesehen und mir bestätigt, dass er nichts hat.
Er war im Transporter und anfangs in der Box ein wenig durch den Wind. Dann hat er sich aber überraschend schnell wieder gefangen.
Vor allem hatte er ganz großen Durst. Man weiß nicht, wann er das letzte Mal etwas getrunken hat. Das musste er alles nachholen.
Er ist gut drauf. Jetzt ist er wieder in der Herde dabei, wir haben acht Pferde beieinander, und er wirkt überhaupt nicht mehr traumatisiert. Er ist nicht lahm, er schaut aus wie das blühende Leben und verhält sich völlig normal.
Sie ist nach hinten gefallen und es hat sie ein wenig am Kreuz erwischt, aber sonst ist nichts weiter passiert. Jetzt ist sie natürlich überglücklich, dass Jewel wieder da ist.
Oh ja! Wenn dieses Pferd reden könnte, dann würde es jetzt eine Litanei erzählen!